Everglades

Die Nacht war wie erwartet beschissen. Entweder der Kühlschrank sprang an, oder es fuhr wiedermal ein Truck durch mein Schlafzimmer. Erstes konnte ich durch Steckerziehen abstellen, zweiteres nicht! So bin ich dann heute morgen ziemlich gerädert (was ne geile Assoziation) aufgestanden und um 08:20 saß ich im Auto. Als ich heute Morgen nach Frühstück oder Kaffee fragte wurde ich doch darauf hingewiesen, das Kaffee und Becher auf meinem Zimmer zu finden wären. Kurzes Kopfkino: Mein Zimmer, aus diesen Bechern? Gekocht mit diesem Leitungswasser? Mit der vorhandenen Kaffeemaschine? NIEMALS. Also bin ich ohne Frühstück aufgebrochen, ich konnte mich bei meinem gestrigen Rückweg an ein Frühstückscafé erinnern was von außen vielversprechend aussah. Das Essen schien hier vielversprechend, aber ich nahm nur einen großen Kaffee to Go. Geführt von einer älteren Dame, nicht sehr großes Lokal aber irgendwie gemütlich, Mom´s Restaurant Fort Myers Beach.



Anschließend führte mich die Route 41 weiter nach Süden zur Stadt Naples. Nach dem Pro-Kopf Einkommen eines der reichsten Städte der vereinigten Staaten. Das Durchschnittsalter der 19.000 Einwohner beträgt dementsprechend aber auch schon 61. Nach dem Bürgerkrieg entdeckte General S. Williams von der Südstaatenarmee das bezaubernde Fleckchen und benannte es nach seinem damaligen König von Neapel. Als ich hier Richtung Zentrum navigierte bestaunte ich wahrlich nicht nur einmal die Villen in 2. Und 3. Lage (Erste Lage ist nicht einsehbar 😊 ). Ich sage mal, die dritte Lage kostet ca. 2-3Mio.€, sehr sehr groß, bräuchte kein Normalsterblicher.

Im Old Naples, einem eleganten baumbestandenem Zentrum 1st und 14th sowie im Einkaufsviertel der 3rd Street befinden sich zahlreiche exklusive Geschäfte in deren minimalistisch dekorierte Schaufenster bisweilen die Preisschilder nicht aufzufinden sind. Mein Eindruck? Reiche Seniorenstadt, hier kommt man her um die letzten 20Jahre zu genießen.  

Ich hatte wahnsinniges Glück, oder anders gesagt, Planung ist alles. An jedem Samstag (von Nov-April) zwischen 07:30-11:30 findet der Farmers Market auf der 3rd Street statt. Ein Sehen und Gesehen werden und alle möglichen Leckereien. Angefangen von einheimischen Fischspezialitäten, frischem Obst oder Kuchen und Keksen. Ein reiner Foodmarket, sehr interessant mit anzusehen, aber Essen war um diese Uhrzeit noch nicht mein Ding. 

Essen um 10? Nein danke, aber hat alles lecker gerochen

Nichts gekauft da ich nicht weiß wann ich das verwerten soll



Anschließend bin ich zum Naples Pier der nicht nur 300m in den Golf hineinragt, sondern dessen Holzkonstruktion auch unter Denkmalschutz steht. Hier hatte ich eine tolle halbstündige Unterhaltung mit John, einen Hobbyangler der mir von seinen täglichen Angelerfolgen erzählte und mir weitere Tipps für die Weitereise gab. Achtung Jens: Zw. Januar und Februar ist hier Angelsaison und John hatte in den vergangenen Tagen mehr Riesenfische zurück ins Meer geworfen als er je hätte Essen können. Darunter einen Hammerhai, einen anderen Fisch dessen Name ich vergessen habe aber der so groß war, dass er ihn mit seiner Angel nicht hätte rausbekommen können und noch unzählige andere Stories. Luxusprobleme Jens? 




Den Blick auf der Uhr haltend musste ich mich dann verabschieden, der Tag stand ja noch bevor. Ab in die Everglades. Der Everglades-Nationalpark ist ein 6.000km² großes geschütztes Sumpfgebiet am südlichen Ende Floridas. Die Everglades, die oft mit einem grasbewachsenen, langsam fließenden Fluss verglichen werden, bestehen aus Mangrovenwäldern, Schneidensümpfen und flachen Pinienwäldern, in denen Hunderte Tierarten leben. Zur reichen Tierwelt der Everglades zählen die bedrohte Lederschildkröte, der Florida-Panther und der Karibik-Manati.

Was ich nicht wusste, die Everglades sind eigentlich kein Sumpfgebiet sondern ein Süßwasserfluss, der vom Norden aus dem Okeechobee See Richtung Süden zur Florida Bay fließt und dabei das Wasser ca. 1Meile/Tage zurücklegt. Meines Erachtens der breiteste Fluss, aber hier lass ich mich auch gerne eines besseren belehren. Dabei ist er aber auch im Durchschnitt nur 1 Fuß tief und einen weiteren Fuss modriger Sand. Hier führte mich der Weg zu einer Airboat Station, Jens hatte mir ungefähr gesagt wo ich auf der Strecke anhalten sollte und das tat ich auch. Eine kleine aber sehr feine Airboat Station. Was hier besonders war? Gegenüber den anderen Airboat Stations gab es hier keine Touri Gruppen oder 3Reiher auf den Airboats, nur EINE. Das erkannte ich schnell und somit sicherte ich mir eine rein für mich veranstaltete Tour durch die Everglades. Adam der mich zielsicher und mit einigen actionreichen Sprüngen durch die Everglades führte, mir an einigen Stellen die Natur, Tiere und Geschichte erklärte und mir alle meine Fragen anstandslos beantworten konnte ist ein absolut cooler Typ. Ich würde diese Airboat Station auf allen Portalen weiterempfehlen, aber ich habe das Netz abgesucht, so klein das Sie weder Internetauftritt noch auf Tripadvisor zu finden sind, daher hier die Kartenansicht. Gezahlt 30$ für eine halbe Stunde, die aber zur Stunde wurde 😊





Adam

kurzer Zwischenstopp am Indianerdorf, man beachte die Weitläufigkeit

Indianerdorf mit Susi und George und Ihren 9 Alligatorenbabys


Sehr zu empfehlen, prägt euch das Bild ein
 
Hier die Koords

Im Anschluss habe ich mich dann auf den Weg nach Key Largo gemacht, mein Zwischenstopp vor den Keys. Hier angekommen bezog ich mein Zimmer im Key Largo Inn, sieht aus wie das von gestern, nur sauberer und angenehmer. Die Bundesstraße liegt dennoch direkt vor der Haustür. Erinnert mich irgendwie an Flagstaff (unserem WestCoastTrip vor 6Jahren).


Oben in der Mitte mein Zimmer

Ausblick auf den Pool und die angrenzende Route 1
 
Key Largo ist die erste und größte Insel südlich des Festlandes und Hauptinsel der Upper Keys. Im nördlichen Teil der Insel befindet sich das 27km² große Naturschutzgebiet Crocodile Lake National Wildlife Refuge welches Krokodile (nicht Alligatoren) Schlangen und Nager beherbergt und für Publikumsverkehr gesperrt ist. Ansonsten gibt es relativ wenig über die Insel zu berichten. Meines Erachtens eine reine Durchreise Stadt. Es gibt die Route 1 von Norden nach Süden und dann ab und zu kleine Kreuzungen mit maximal 100m Richtung Ost oder West. Ich habe Sie gewählt, weil die Insel Key West für eine Übernachtung wahnsinnig teuer (Samstag zu Sonntag 350€ und aufwärts). Kein Highlight ber völlig ausreichend. Es gibt einen Pool (wie immer eingezäunt direkt an der Hauptverkehrsstraße), einen kleinen Frühstücksbereich und das wars dann auch mal wieder.

Während des Eincheckens habe ich den Mann an der Rezeption komplett ausgefragt, wo ich heute Abend hingehen kann, welches Lokal er empfehlen würde, wie der Verkehr morgen ist etc. Auch wenn die Schlange hinter mir immer länger wurde, die Antworten waren sehr ausführlich und helfen mir für die nächsten Stunden/Tag. (Wenn ich in der Warteschlange gestanden hätte, ich hätte langsam Puls bekommen).

So, ich bin zurück vom Essen und da es eine Empfehlung für jeden Durchreisenden sein soll, muss es hier erwähnt werden. Ca. 200m von mir entfernt befindet sich das Mrs. Mac´s Kitchen, Nr. 5 von 92 auf Tripadvisor. Wenn Ihr einmal hier seid, dann lohnt sich der Besuch allemal. Achtet dabei darauf, dass Ihr entweder vor 18:30 hier seid, eine Reservierung vorgenommen habt oder die Wartezeit von 30-45min in Kauf nehmen könnt. Da ich aber allein unterwegs bin, hab ich einen netten Zwischenplatz an der Bar ergattern können. Neben mir Jane und Chris aus New York und rechts von mir Pete aus Wisconsin. Wie immer sehr nett und super interessant. Ich bestellte mir ein leckeres Steak und beobachtete das rege Treiben. Die Nummer 5 heißt halt auch, sehr voll, sehr laut, sehr schnelllebig.



Das Steak war gut, aber für ein Steak Mignon mir dann doch aber etwas zu trocken, die Saftigkeit fehlte mir. Pete hatte ein Lammsteak was die bessere Wahl gewesen wäre. Come in and try it!

Endlich hab ich Dich Wieder! Danke USA

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